|
Übergänge prägen unser Leben. Mit dem Eingang ins Leben, mit der Loslösung von der ursprünglichen und der Gründung einer eigenen Familie sowie schliesslich beim Sterben - überall da überschreiten wir eine Schwelle und treten ein in einen neuen Raum, der sich uns öffnet.
Seit es Menschen gibt haben sie für Übergänge Rituale entwickelt, welche bei Grenzüberschreitungen begleiten und in diese Augenblicke der Unsicherheit ein Stück Beständigkeit bringen sollten. Von je her hatten Menschen ein feines Gespür für Schwellensituationen. Sie ahnten die Gefahren, wussten aber auch um die Chancen, die darin lagen.
Auch uns Heutige berühren solche Situationen, in denen wir ganz urtümliche Grenzerfahrungen machen können. Mit den Errungenschaften der Zivilisation mögen wir zwar medizinisch und psychologisch, vor allem aber materiell besser gerüstet sein als unsere “primitiven” Urahnen, welche ihre Schwellenängste mit Magie und mit Ritualen beruhigten. Dafür ist uns die Selbstverständlichkeit eines schützenden und Gewissheit verleihenden Übergangsrituals weitgehend ab Handen gekommen. Sicher, die verschiedenen Religionen und Konfessionen bieten entsprechende Handlungen an. Viele Menschen fühlen sich aber von religiösen Institutionen eher bevormundet und nicht Ernst genommen, statt dass sie diese als hilfreich erleben.
Das tiefempfundene Bedürfnis nach Sinn deutenden und Gemeinschaft stiftenden Ritualen hat sich jedoch bis in unsere Tage gehalten. Neue, vom persönlichen Erleben bestimmte, Rituale werden entwickelt, aber auch alte Traditionen in ihrem zeitlosen Gehalt neu entdeckt.
Übergänge beinhalten Gutes und Schweres, Chance und Krise. Begleitende Rituale sollen dazu verhelfen, dass wir dies beides wahrnehmen und für unser weiteres Leben nutzen können.
Susi Fähnle, Thelogin VDM |